Big Five · OCEAN-Modell · BFI

Die Big Five: Persönlichkeit verstehen, Marketing gezielt ausrichten

Fünf Merkmale beschreiben, wie Menschen denken, fühlen und entscheiden. Hier finden Sie das OCEAN-Modell, den BFI- und den BFI-2-Test im Überblick, eine Auswertung zum Download und den Weg vom Modell ins Marketing.

Das OCEAN-Modell

Die Persönlichkeitspsychologie hat lange nach der richtigen Zahl grundlegender Merkmale gesucht. Gordon Allport sammelte Tausende Begriffe, Raymond Cattell kam auf 16 Faktoren, Hans Eysenck auf drei. Durchgesetzt hat sich ein Modell mit fünf Dimensionen, das seit den Arbeiten von Fiske (1949) über Norman und Goldberg bis zu McCrae und Costa immer wieder bestätigt wurde: die Big Five.

Aus den englischen Begriffen Openness, Conscientiousness, Extraversion, Agreeableness und Neuroticism entsteht die Abkürzung OCEAN. Jedes Merkmal ist ein Spektrum zwischen zwei Polen; die meisten Menschen liegen irgendwo dazwischen.

Die fünf Merkmale

Offenheit für Erfahrungen (Openness)

Neugier, Fantasie und Freude an Neuem. Menschen mit hoher Offenheit suchen Ideen, Kunst und ungewohnte Wege; Menschen mit niedriger Offenheit schätzen Bewährtes und Klarheit.

Im Marketing: Spricht auf Innovation, Hintergründe und neue Perspektiven an.

Gewissenhaftigkeit (Conscientiousness)

Ordnung, Zuverlässigkeit und Zielstrebigkeit. Hohe Gewissenhaftigkeit zeigt sich in Planung und Sorgfalt, niedrige in Spontaneität und Flexibilität.

Im Marketing: Will Fakten, Vergleiche, Garantien und einen klaren Ablauf.

Extraversion (Extraversion)

Geselligkeit, Energie und Durchsetzungsvermögen. Extravertierte Menschen tanken in Gesellschaft auf, introvertierte eher allein.

Im Marketing: Reagiert auf Gemeinschaft, Events und sichtbaren Status.

Verträglichkeit (Agreeableness)

Mitgefühl, Vertrauen und Kooperationsbereitschaft. Hohe Verträglichkeit sucht Harmonie, niedrige setzt eher auf Wettbewerb und Skepsis.

Im Marketing: Achtet auf Werte, Fairness und Wirkung für andere.

Neurotizismus (Neuroticism)

Emotionale Empfindlichkeit: wie stark jemand auf Stress, Sorgen und Unsicherheit reagiert. Das Gegenstück ist emotionale Stabilität.

Im Marketing: Braucht Sicherheit, Orientierung und das Gefühl, nichts falsch zu machen.

Der Big Five Inventory (BFI)

Der BFI ist ein kurzer Fragebogen, mit dem sich die fünf Merkmale messen lassen. Er wurde 1991 von Oliver P. John und Kollegen veröffentlicht und umfasst 44 Aussagen, die auf einer fünfstufigen Skala von „stimme überhaupt nicht zu“ bis „stimme voll und ganz zu“ bewertet werden.

Weil er schnell auszufüllen ist und gute Messeigenschaften hat, wird der BFI in Forschung, Arbeits- und Organisationspsychologie, Beratung und Bildung eingesetzt, etwa in der Teamentwicklung oder in der Karriereberatung.

Der BFI-2

2017 stellten Christopher J. Soto und Oliver P. John den BFI-2 vor. Er misst mit 60 Aussagen nicht nur die fünf Hauptmerkmale, sondern je Merkmal drei Facetten, insgesamt 15. Damit lassen sich Profile feiner unterscheiden als mit dem ursprünglichen BFI.

MerkmalFacetten im BFI-2
ExtraversionGeselligkeit, Durchsetzungsvermögen, Energie
VerträglichkeitMitgefühl, Respekt, Vertrauen
GewissenhaftigkeitOrganisation, Fleiß, Verantwortungsbewusstsein
Negative Emotionalität (Neurotizismus)Ängstlichkeit, Niedergeschlagenheit, emotionale Schwankungen
OffenheitÄsthetisches Empfinden, intellektuelle Neugier, kreative Vorstellungskraft

BFI-2-Auswertung zum Download

Die Auswertungshilfe zum BFI-2 als PDF. Frei für die nicht-kommerzielle Nutzung, etwa im Studium, in der Lehre oder zur eigenen Reflexion.

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Big Five im datengetriebenen Marketing

Klassische Zielgruppen beschreiben, wer jemand ist: Alter, Branche, Position. Die Big Five beschreiben, wie jemand entscheidet. Wer beides verbindet, entwickelt Buyer Personas auf Basis psychologischer Merkmale und spricht Menschen so an, wie sie Informationen tatsächlich aufnehmen.

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